Trump, Iran, Russland und Diesel: Was geht da ab?15. Oktober 2026An sich ist das kein Climatetruth Thema im engeren Sinne, aber da diese Thematik die politische und mediale Debatte seit vielen Wochen, eigentlich seit Monaten, beherrscht, wollen wir an dieser Stelle – erneut - unsere Einschätzung dazu abgeben. Bereits im April 2026 haben wir den Angriffskrieg Trumps, Netanjahus und die iranische Reaktion darauf kommentiert. Wir hatten seinerzeit die Ansicht vertreten, dass sich Trump mit diesem Krieg völlig verzockt hat und Opfer des Gesetzes der „unintended consequences“ geworden ist und keines seiner – wie auch immer definierten – Kriegsziele erreicht hat, sondern dass sich die Position der USA im Vergleich zur Situation vor dem Krieg verschlechtert hat. Kurz auf den Punkt gebracht: Trump hat diesen Krieg verloren und der Iran sitzt am längeren Hebel, insbesondere wegen seiner Kontrolle der Straße von Hormus und seiner nach wie vor vorhandenen Fähigkeit, militärische und industrielle Einrichtungen in den Golfstaaten nach Gutdünken mit ballistischen Raketen und Drohnen anzugreifen und zu zerstören. Daran können die Propagandabehauptungen Trumps, der Iran sei besiegt, seine militärischen Fähigkeiten seien zerstört usw. nichts ändern. Auch die zuletzt häufiger als Kriegsgrund vorgetragene Forderung, der Iran dürfe keine Atomwaffen besitzen, überzeugt wenig, weil bereits nach dem amerikanisch – israelischen Angriff auf iranische Atomanlagen im Juni 2025 behauptet wurde, das iranische Atomprogramm sei ausgelöscht worden, was im Laufe des Krieges 2026 zunächst noch einmal wiederholt wurde. Man fragt sich: Was denn nun? Wurde das iranische Atomprogramm im Juni 2025 zerstört, oder nicht? Der Verdacht drängt sich auf, dass diese Forderung nur eine propagandistische Schutzbehauptung ist, um den Krieg zu rechtfertigen. Unsere Einschätzung vom April, dass der Konflikt innerhalb der kommenden 2 – 3 Monate gelöst werden wird, hat sich nicht bewahrheitet, obwohl es Mitte Juni 2026 zu einem „Memorandum of Understanding“ (MoU) gekommen ist, mit dem der Konflikt innerhalb von 60 Tagen gelöst werden sollte. In der Folge dieser Vereinbarung sind die Ölpreise zunächst deutlich gefallen – von ca $100 auf etwa $70 pro bbl. Dieses MoU ist jedoch bereits Anfang Juli auseinander gefallen, weil die Parteien USA und Iran offensichtlich unterschiedliche Auffassungen über die Umsetzung und die Bedingungen des MoU hatten. Anfang Juli griff der Iran einen Tanker in der Straße von Hormus mit Raketen oder Drohnen an, weil er eine „vom Iran nicht genehmigte Route“ befahren hat, nämlich außerhalb der iranischen Hoheitsgewässer entlang der Küste von Oman. Also der Iran reklamiert die gesamte Straße von Hormus als seinen Einflußbereich – auch außerhalb seiner Hoheitsgewässer? Dass Trump das nicht hinnehmen würde, war absehbar und es kam zu einem Wiederaufflammen der Kampfhandlungen, die sich im Verlaufe des Sommers tendenziell verstärkten. Die Ölpreise stiegen parallel dazu wieder deutlich an. Da die amerikanischen Militärs begriffen, dass sie den Iran militärisch nicht in die Knie zwingen können, griffen die USA als Ausdruck der militärischen Ohnmacht zum Mittel eines Wirtschaftskrieges, indem sie die Straße von Hormus für iranische Öltransporte blockierten, um den Iran von Einnahmen durch Ölverkäufe abzuschneiden. Zwischenzeitliche Angriffe der Amerikaner auf iranische Ziele wurden vom Iran postwendend mit Konterangriffen auf amerikanische Militärbasen nicht nur in der Golfregion, sondern auch in Jordanien und in Saudi - Arabien beantwortet. Das führte ua dazu, dass Trump dem Iran erneut und wiederholt mit einem Vernichtungsschlag drohte, aber nach saudischer Intervention davon absah, da die Saudis begriffen, dass sie dann als nächstes Opfer iranischer Vergeltung würden, was ihnen erheblich größeren Schaden zufügen würde, als dem Iran, der ohnehin schon erhebliche Zerstörungen hinnehmen musste, aber wesentlich leidensfähiger ist, als die anderen Golfanrainerstaaten oder die USA. Im Laufe das Sommers und Frühherbstes kam es zu einer Ausweitung des Konfliktes, sodass man jetzt nicht mehr nur von einem Konflikt zwischen den USA und dem Iran sprechen muss. Sondern von einem regionalen Konflikt, in den insbesondere Saudi Arabien von den mit dem Iran verbündeten Houthis hineingezogen wurde. Die Houthis haben die sog Ost – West Ölpipeline in Saudi Arabien angegriffen, mit der Saudi Arabien einen großen Teil seines Ölexports unter Umgehung der Straße von Hormus abwickeln kann. Die Houthis haben ferner einen großen Küstenstreifen im westlichen Teil des Yemen erobert, von dem aus sie im Roten Meer die Meerenge von Bab al - Mandab und mithin den dortigen Schiffsverkehr kontrollieren, sprich angreifen können, auch durch das Verlegen von Minen. Saudi Arabien hat die USA um Unterstützung im Kampf gegen die Houthis gebeten, wurde aber bislang abschlägig beschieden – was sich aber durch die jüngsten Angriffe der Houthis auf Raffinerieanlagen und den Flughafen von Riad ändern könnte. Man weiß es halt nicht, weil Trump seine Meinung häufiger ändert, als Mädchen ihre Kleidung. Die Kriegshandlungen haben sich auch auf Jordanien ausgeweitet, da eine amerikanische Luftwaffenbasis dort von iranischen Raketen angegriffen wurde, was erhebliche Schäden verursacht hat. Man kann sagen, dass der Iran durch seine Angriffe die amerikanische Präsenz am Golf beendet hat, denn das amerikanische Militär ist nicht mehr bereit, das Risiko massiver Verluste an Menschen und Material einzugehen. Die Abwehr von Drohen und ballistischen Raketen funktioniert offenbar nicht mehr – aus welchen Gründen auch immer. In den letzten Monaten ist zudem die Erkenntnis herangewachsen, dass nicht nur die Einschränkung der Rohöltransporte vom Persischen Golf zu Problemen für die Weltwirtschaft führt, sondern vor allem die Versorgung mit Ölprodukten. Denn Kraftfahrzeuge, PKW, LkW und Flugzeuge fahren bzw fliegen nicht mit Rohöl, sondern mit verarbeiteten, aus Rohöl hergestellten Produkten, wie Benzin, Diesel und Kerosin. Es gibt nicht nur eine Krise der Ölversorgung vom Persischen Golf, sondern vor allem eine Raffineriekrise. Besonders Diesel (Heizöl) hat sich seit dem Sommer drastisch verteuert; nicht nur in Deutschland, auch in den USA kostet Diesel soviel wie nie zuvor (ca. $6,50 pro Gallone in den USA). Diesel ist das Rückgrat der industriellen Wirtschaft: Das gesamte Transportwesen, die Bau- und Landwirtschaft läuft auf Diesel. Verteuert sich der Diesel, steigen im Gefolge auch die Verbraucherpreise und die verfügbaren Einkommen der Bürger sinken – nicht nur durch die höheren Energiepreise an sich. Die hohen Treibstoffpreise stellen für Trump ein großes politisches Problem besonders für die Kongress- und Senatswahlen Anfang November dar, denn sein Krieg gegen den Iran wird dafür verantwortlich gemacht. Man kann fast mit Sicherheit davon ausgehen, dass seine Partei, die Republikaner, beide Kammern, den Kongress und den Senat verlieren werden. Alles andere wäre eine Überraschung. Trump versuchte in gewohnter Manier die Öffentlichkeit mit Propagandabehauptungen zu beschwichtigen, wie zB „nach den Wahlen werden die Ölpreise sinken“ „Wir haben verhindert, dass der Iran Atomwaffen produziert“ usw. Das hatten sie ja angeblich schon nach den Angriffen im Juni 2025 erreicht. War das also gelogen? Oder ist es jetzt gelogen und soll nur als Ausrede für den verlorenen Krieg dienen? Das Dieselproblem hat mehrere Ursachen. Erstens hat sich gezeigt, dass sowohl Europa als auch die Weltwirtschaft generell stark von Dieselimporten abhängig sind, da die heimischen Raffineriekapazitäten aus verschiedenen Gründen, in Europa ua wegen des beabsichtigten Ausstiegs aus fossilen Energien, stark zurückgefahren wurden. Man hat darauf gebaut, dass man den Bedarf an Dieselkraftstoff durch Importe decken kann. Ein Teil des Diesels (aber auch des Benzins und Kerosins) wurde in Raffinerien in den Golfstaaten hergestellt. Durch die Vergeltungsschläge des Irans gegen militärische und industrielle Einrichtungen in den Golfstaaten wurden ein Teil dieser Raffinerien zerstört und produzierten deswegen auch keine Ölprodukte mehr, die dem Weltmarkt jetzt fehlen. Einige Beobachter schätzen sogar, dass es Jahre dauern könnte, bis diese Raffinerien wieder in Betrieb genommen werden. Das bedeutet, auch wenn der Krieg morgen enden würde, würde es noch sehr lange dauern, bis die Produktion in den Raffinerien der Golfregion wieder das Vorkriegsniveau erreichen würde. Selbst die Internationale Energieagentur IEA rechnet nicht damit, dass an der Dieselfront absehbar Entspannung einsetzt . Da die Raffineriekapazitäten in den westlichen Industriestaaten weitgehend ausgeschöpft sind und auch dort Kapazitätserweiterungen Jahre in Anspruch nehmen würden, wird sich an der Knappheitssituation kurzfristig wenig ändern. Der sog. "Crack Spread", dh die Preisdifferenz zwischen Rohöl und den raffinierten Produkten, besonders Diesel, hat wegen der begrenzten Raffineriekapazitäten ein Rekordniveau erreicht. Als weiterer Faktor kommt seit einigen Monaten die Angriffswelle der Ukraine gegen russische Raffinerien hinzu. Die Internationale Energie Agentur IEA schätzt, dass die Produktion der russischen Raffinerien durch die ukrainischen Angriffe um ca 30% gesunken ist. Das betrifft nicht nur den russischen Kraftstoffmarkt, sondern auch den Weltmarkt, da ein Teil der russischen Kraftstoffproduktion auf „schwarzen Kanälen“ den Weg in den Westen gefunden hat, der jetzt fehlt. Das hat Trump Mitte September dazu bewogen, von der Ukraine eine Einstellung der Angriffe auf die russische Energieinfrastruktur zu verlangen, dem Selenskyj aber nicht nachgekommen ist. Das hat Trump dazu veranlasst, mit Putin einen Deal zu machen, mehr Diesel in den Westen zu exportieren im Gegenzug zu einer Aufweichung der Sanktionen gegen Russland. In Europa brach daraufhin ein Sturm der Empörung los, von Verrat an der Ukraine war die Rede. Selbst in Amerika sprachen sich mehrere republikanische Senatoren gegen Trumps Diesel – Deal mit Putin aus. Die Mengen, um die es in diesem Deal geht sind eher gering. Trumps Diesel – Deal scheint eher ein Akt der Verzweiflung zu sein, um irgendetwas zu machen, die Dieselknappheit abzumildern. Wichtig scheint eher die Signalwirkung zu sein: Russland und Amerika reden miteinander und sind an De – Eskalation des Ukraine Konfliktes interessiert. Die europäische Hardliner Position und die von ihnen unterstützte Hardliner Position der Ukraine wird nicht in der Lage sein, diesen Konflikt zu lösen bzw zu beenden. Eher scheint dazu eine Übereinkunft zwischen Russland und Amerika in der Lage zu sein, in deren Rahmen die Ukraine und auch die Europäer nicht ihre Extrempositionen durchsetzen werden. Jedenfalls ist es besser, im Gespräch zu bleiben, wie Trump mit Putin, als jegliche Verhandlungen abzulehnen und sich stattdessen in Kriegstreiberei zu ergehen, wie die Europäer. Kriegstreiberei gegen eine Atommacht, man glaubt es nicht. Haben diese Leute nichts aus den Katastrophen des 20. Jahrhunderts gelernt? Um zur Situation im Nahen Osten zurückzukehren, scheint offenkundig zu sein, dass der Konflikt sich in den letzten Monaten, besonders durch die Aktivitäten der Houthis, ausgeweitet hat. Gegen deren Raketen- und Drohnenangriffe scheint es keine wirksame Abwehr zu geben. Aus der Logik des Iran ist klar, dass er Amerika vor den Wahlen im November maximale Schmerzen zufügen will und muss, um Rache an Trump zu üben. Trump kann mit keiner Gnade und Entgegenkommen des Iran rechnen. Wie auch, nachdem Trumps Krieg die Führungsriege des Iran ausgelöscht und massive Schäden an der iranischen Infrastruktur verursacht hat. Der Iran sitzt am längeren Hebel. Er weiß, dass Amerika militärisch machtlos gegenüber dem Iran ist. Deswegen ist Trump auf einen Wirtschaftskrieg gegen den Iran ausgewichen. Jede militärische Aktion der USA gegen den Iran würde sofort mit Gegenschlägen des Iran auf die Golfstaaten beantwortet, die größere Schäden anrichten würden, als die amerikanischen Angriffe auf den Iran. Die Raketen- und Drohnenabwehr der Golfstaaten ist offenbar sehr löchrig. Das weiß Trump auch, deswegen hält sich das amerikanische Militär auch sehr zurück, trotz aller Drohgebärden Trumps: Er wisse noch nicht was er tun werde, vielleicht kommt es zu einem Wiederaufleben des Krieges nach den Zwischenwahlen im November, vielleicht aber auch schon vorher. Trump scheint keine Strategie zu haben, sogar seine Taktik ist unklar, es sei denn seine Taktik besteht darin, den Gegner zu verwirren und über seine Absichten im Unklaren zu lassen. Die Strategie und Taktik des Iran und seiner Verbündeten, der Houthis ist demgegenüber wesentlich klarer: Amerika durch beliebige Angriffe auf Schiffe deutlich machen, wer die Kontrolle nicht nur über die Straße von Hormus, sondern über den gesamten Persischen Golf hat, durch Raketen- und Drohnenangriffe der Houthis auf die saudische Infrastruktur, gegen die offenbar keine wirksame Abwehr besteht, demonstrieren, wohin die Reise für Saudi Arabien geht. Zumal Trump nicht willens zu sein scheint, die Saudis im Kampf gegen die Houthis zu unterstützen. Trumps Desaster im Krieg gegen den Iran scheint jeden Tag offenkundiger zu werden – da helfen auch seine Propagandabehauptungen nicht weiter: Er hat den Krieg gegen den Iran de fakto verloren, das Ansehen Amerikas im Nahen Osten und den arabischen Staaten wegen der militärischen Ohnmacht gegenüber den iranischen Raketen- und Drohnenangriffen irreparabel beschädigt, die meisten amerikanischen Militärbasen mussten aufgegeben werden, die Weltwirtschaft und auch die Wirtschaft Amerikas durch die hohen Energiepreise schwer geschädigt und die Zwischenwahlen absehbar verloren wegen des desaströsen Kriegs gegen den Iran. Wie wird es weitergehen? Man muss davon ausgehen, dass der Iran und seine Verbündeten, vor allem die Houthis, nicht an einer schnellen Lösung des Konflikts interessiert sind, sondern versuchen werden, Trump und Amerika weiterhin für seinen Krieg gegen Iran maximal abzustrafen, wozu sie in der Lage sind, da es gegen ihre Raketen- und Drohnenangriffe keine wirksame Abwehr zu geben scheint und Amerika in letzter Zeit auch nicht militärisch auf die Angriffe auf den Schiffsverkehr im Persischen Golf und auf industrielle Einrichtungen in Saudi Arabien reagiert hat. Der Iran kann offenbar weiterhin nach Belieben Schiffe angreifen und versenken ohne Gegenreaktionen des amerikanischen Militärs befürchten zu müssen. Der Grund ist offenbar, dass der Iran mit seinen Konterangriffen auf die Golfstaaten größere Schäden anrichten könnte, als das amerikanische Militär im Iran. Der Iran weiß das, Trump aber auch, weswegen er sich zurückhält. Der Iran ist die neue und einzige Großmacht am Persischen Golf und kann den Golf Anrainerstaaten seine Politik diktieren – Dank der "unintended consequences" von Trumps Krieg gegen den Iran. Bezogen auf die Energieversorgung mit Öl und Ölprodukten (Stichwort Raffinerie - Krise) sieht die Situation in nächster Zeit nicht besonders rosig aus, was einige Beobachter, aber auch die IEA vermuten. Die Situation wird sich absehbar erst bessern, wenn die Ölproduktion und -verarbeitung in anderen Teilen der Welt hochgefahren wird und die ausgefallene Produktion der Golfregion zumindest teilweise ersetzen kann. Das kann allerdings einige Jahre dauern, weil die erforderliche Infrastruktur erst errichtet werden muss. In der Zwischenzeit wenden sich einige Länder wieder verstärkt der von den Grünen verschmähten Kohle zu, da die Energieversorgungssicherheit hier und heute mehr Gewicht hat, als eine Klimaerwärmung von 0,5 oder 1,0°C in 50 oder 100 Jahren. |
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