Katastrophensommer wegen El Nino?

13. Juni 2026


Seit einigen Wochen geistern Stories durch die Medienlandschaft (zB hier ), dass es wegen des Aufbaus eines starken El Nino Ereignissen im östlichen tropischen Pazifik zu einem Katastrophensommer in Deutschland kommen würde.

Derartigen Stories wurde ua hier sofort der Wind aus den Segeln genommen: Es zeigt sich, dass es keinen wie auch immer gearteten statistischen Zusammenhang zwischen El Nino Ereignissen und dem Charakter der Sommerwitterung in Deutschland gibt.

Wer auch immer derartige Geschichten verbreitet hat, war und ist entweder schlecht informiert oder verbreitet bewusst Fake News, was in der heutigen Medienwelt wenig überrascht.

Bedauerlich nur, dass auch sog. Qualitätsmedien sich diesem Zirkus angeschlossen haben. Aber es hat halt lange Tradition zu Beginn eines Winters einen eisig kalten Winter „vorher zu sagen“ (besser: herbei zu fantasieren) und vor Beginn eines Sommers einen „Höllensommer“ mit nie gekannter Hitze und Dürre. So ist halt das Mediengeschäft und es zeigt nur wieder, dass man auch den sog. Qualitätsmedien keinen Glauben mehr schenken kann.

Obwohl im og Beitrag im Grunde genommen schon alles gesagt wurde, was man zu derartigen „Vorhersagen“ sagen kann, hier noch einige zusätzliche Kommentare und Anmerkungen.

Richtig ist, dass sich über dem tropischen Pazifik ein starkes bis sehr starkes Ereignis aufbaut. Wie stark es schlussendlich wird, ist noch nicht abzusehen. Wahrscheinlich ist, dass es zumindest an die sehr starken El Nino Ereignisse 1997/98 und 2015/16 heranreichen wird (s. S. 23 – 25, El Nino Vorhersagen im zitierten Link).

Richtig ist auch, dass wir uns gegenwärtig noch in der Übergangsphase des zu Ende gegangenen La Nina Ereignisses (Kaltphase im östlichen tropischen Pazifik) und dem heraufziehenden El Nino Ereignis befinden. Der gegenwärtige Zustand des tropischen Pazifiks wird als ENSO neutral bezeichnet (S. 21 – 22 im itierten Link).

Obwohl sich positive Temperaturabweichungen, dh El Nino im Oberflächenwasser bislang noch nicht zeigen (die letzten Temperaturabweichungen liegen bei etwas unter Null) hat sich die gesamte Wasserschicht von der Meeresoberfläche bis in 300 m Tiefe stark erwärmt, was Anlass zur Vermutung gibt, dass das heraufziehende El Nino sehr stark werden wird. Aber noch ist es nicht präsent, wie die Daten des amerikanischen Wetterdienstes zeigen.

Nun möchte man sich fragen: Wie kann ein Ereignis, das noch gar nicht präsent ist, die Sommerwitterung in Deutschland beeinflussen? Diese Frage haben sich diejenigen, die derartiges behauptet haben, wohl erst gar nicht gestellt.

Ein El Nino Ereignis baut sich üblicherweise im Sommer langsam auf, verstärkt sich in der zweiten Jahreshälfte und erreicht seinen Höhepunkt zum Jahresende oder zu Beginn des darauffolgenden Jahres. Es kann sich also noch gar nicht auf die Sommerwitterung in Deutschland auswirken, wenn zu dem Zeitpunkt erst dermÜbergang von La Nina zu El Nino stattfindet. Auch aus dem Grunde waren und sind derartige Aussagen völliger Unsinn.

Zudem ist in der Klimawissenschaft bekannt, dass sich die Wärme, die sich durch El Nino in der Atmosphäre ausbreitet, ca. 0 - 3 Monate braucht, um sich vom Ostpazifik in den tropischen Regionen auszubreiten und ca. 3 – 6 Monate, um sich global auszubreiten.

Das bedeutet, dass die Wärme eines El Nino Ereignissen sich global weniger in dem Jahr bemerkbar macht, in dem das Ereignis seinen Anfang nimmt, sondern im darauffolgenden Jahr, wenn es seinen Höhepunkt erreicht.
In den Tropen ist schon vorher mit Auswirkungen zu rechnen, da die Wärme dort nur 0 – 3 Monate braucht, um sich auszubreiten.

Auf die Sommerwitterung in Deutschland bezogen sollte man eher nach Auswirkungen in dem Jahr suchen, wenn das El Nino Ereignis seinen Höhepunkt erreicht – und eingedenk der Tatsache, dass die maximalen Auswirkungen in den Außertropen, also bei uns, erst mit einer zeitlichen Verzögerung von 3 – 6 Monaten wirksam werden, also in 2027, aber nicht in 2026, wenn El Nino im Sommer noch gar nicht präsent ist.

Auch vor diesem Hintergrund sind einige Aussagen, die in letzter Zeit durch die Medien geisterten, völlig absurd. Fake News Medien halt.

Interessehalber wollen wir uns die Sommertemperaturen in Deutschland in den Jahren anschauen, in denen im Sommer ein Übergang von La Nina zu El Nino stattfand und in den Jahren, in denen El Nino den Höhepunkt erreichte, üblicher Weise im Januar – März.
Die El Nino – La Nina Werte seit 1950 kann man dieser Tabelle entnehmen. La Nina wird hier als Meerestemperaturabweichung von mehr als – 0,5 ° definiert, El Nino durch Abweichungen von mehr als + 0,5°.
Da dies eine relativ strenge Definition ist, soll La Nina so definiert werden, dass die Temperaturabweichungen von Januar – Mai eines Jahres negativ gewesen sein müssen, El Nino Abweichungen von Oktober – Dezember dieses Jahres aber mindestens + 0,5° betragen müssen, um als El Nino zu gelten. Von Januar – März des Folgejahres müssen die Abweichungen ebenfalls mindestens + 0,5° betragen, um als El Nino zu zählen.

Aus dieser Tabelle gelangt man zu folgenden Jahren, in denen ein Übergang von La Nina zu El Nino stattgefunden hat:

Gruppe 1:

1963, 1968, 1976, 1986, 2002, 2006, 2009, 2018 und wahrscheinlich 2026.

Betrachtet man die Jahre, in denen zu Jahresbeginn ein El Nino Ereignis aufgetreten ist, gelangt man zu folgenden Jahren:

Gruppe 2:

1953, 1954, 1958, 1964, 1966, 1969, 1973, 1977, 1978, 1980, 1983, 1987, 1992, 1993, 1995, 1998, 2003, 2010, 2016, 2019 und 2024.

In Gruppe 1 (Übergang von La Nina zu El Nino im Sommer) sind nur die Jahre 1976, 2006 und 2018 auffällig; 1976 war ein warmer und sehr trockener Sommer, 2018 war ein heißer und sehr trockener Sommer. 2006 gab es einen extrem heißen Juli, aber einen kühlen und nassen August. Die übrigen Sommer in dieser Gruppe waren im Normalbereich, 1963 etwas zu warm, 2002 und 2009 zu warm aber feucht.

In der Gruppe 2 (El Nino in den ersten Monaten des Jahres) waren 1954, 1958, 1966, 1977, 1978, 1980, 1987, 1993, 1998 kühl und nass, 1964, 1969, 1973 etwas zu warm und trocken, 1983, 1992, 1995, 2003 und 2019 sehr warm und trocken, 2010 und 2016 etwas zu warm und trocken, 2016 und 2024 etwas zu warm und feucht.

Damit bestätigt sich die Darstellung hier, dass es in Deutschland keinen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen der ENSO Phase (El Nino oder Übergang von La Nina zu El Nino) und dem Charakter der Sommerwitterung gibt.

In allen ENSO Phasen sind seit 1950 sowohl heiße und trockene, als auch kühle und feuchte Sommer aufgetreten.

Überlagert wurde die Sommerwitterung in Deutschland von einem generellen Erwärmungstrend von etwa 1,5° C, der unabhängig von der ENSO Phase wirkte.

Bis Ende der 1980er Jahre waren die Sommer vorwiegend kühl und feucht, von einigen Ausnahmen wie 1959, 1971, 1975, 1976, 1982 und 1983 abgesehen und seit 1990 überwiegend sonnig und warm, und wechselnd feucht oder trocken, wobei seit 2015 die trockenen Sommer überwogen; siehe dazu auch die hier Ursachenanalyse heisser Sommer.

Die aktuelle kühle Witterungsphase in Deutschland wird Mitte nächster Woche zu Ende gehen und von einer extrem heißen Witterungsepisode gefolgt werden, bei der am kommenden Wochenende, vom 19. – 22. Juni 2026 in vielen Regionen Deutschlands, inklusive des Nordens, den meisten Wettervorhersagemodellen zufolge Werte zwischen 35 – 38° erreicht werden sollen.

Die Ursache dieser extremen Hitzewelle ist weder der gestiegene Treibhausgasgehalt der Atmosphäre noch das nahende El Nino Ereignis, sondern, wie bereits im Juni 2019, eine Wetterkonstellation, bei der ein Tiefdruckgebiet über dem Ostatlantik auf seiner Vorderseite Heißluft aus der Sahara auf dem kürzesten Landweg über die Iberische Halbinsel und Frankreich nach Norden und Nordosten transportiert (s. auch die detaillierten Erläuterungen hier).

Davon wird man in den Sondersendungen in der ARD und im ZDF jedoch nichts hören, sondern das Spielfeld wird „erwiesenen Wetter- und Klimafachleuten“ wie Eckart von Hirschhausen und Karl Lauterbach überlassen, der dann seiner Leidenschaft nachgehen kann, Hitzeschutzpläne aufzustellen und einen sofortigen Ausstieg aus der fossilen Energienutzung zu verlangen.

Unterstützung werden diese Experten von den Energiefachleuten Claudia Kemfert („Wir haben Stromspeicher noch und nöcher“) und wahlweise Volker Quatschnich erfahren, die natürlich 100%ig davon überzeugt sind, dass es überhaupt kein Problem ist, kurzfristig die gesamte Energieversorgung eines Industrielandes wie Deutschland auf erneuerbare Energien umzustellen.

Auf die Idee Klimaanlagen zu installieren, kommt natürlich keiner dieser Experten, denn das würde ja der grünen Ideologie widersprechen, dass Energie, komme, was wolle, eingespart werden müsse.

Dass es für das Weltklima überhaupt keinen Unterschied bedeuten würde, ob Deutschland heute, in 10 Jahren oder überhaupt nicht aus den fossilen Energien aussteigen würde, spielt bei diesen Experten natürlich überhaupt keine Rolle, denn es geht nicht um das Klima, sondern um die Durchsetzung ideologischer Wunschvorstellungen in der Energiepolitik.

Man darf gespannt sein und sich darauf freuen. Ansonsten viel Spaß beim Freibadbesuch. Die Hitzewelle wird nicht ewig dauern.