Lesch´s Lügen und KLabauterbachs Panikorchester

2. August 2023

Nach dem Ende der Coronapanik war Bundesgesundheitsminister KLabauterbach offenbar auf der Suche nach einem neuen Thema, mit dem er sich zu profilieren suchte. Er sah sich wohl ohnehin als “Klimaexperte”, nachdem er vor einigen Jahren ein Buch geschrieben hatte, in dem er alle bekannten alarmistischen Positionen herunter betete.

Ende Juni stellte er seine Hitzeschutz Pläne der Öffentlichkeit vor, bevor er sich in den Sommerurlaub in die Toskana verabschiedete.

Er hatte wohl auf eine größere Resonanz in der Öffentlichkeit gehofft, in der Erwartung, es würde auch in diesem Sommer in Deutschland zu stärkeren Hitzewellen kommen.

Die traten dann aber nicht auf, sondern die Witterung war eher kühl und wechselhaft, besonders in Norddeutschland.

Aber Gott sei Dank – aus Perspektive der Klimaalarmisten – kam es im Juli im Mittelmeerraum zu ungewöhnlichen Hitzewellen, an denen sie sich abarbeiten konnten.

KLabauterbach war auch in Italien auf Twitter aktiv und teilte der Welt ua mit, dass er in Bologna gelandet sei und dass dort eine extreme Hitze herrsche, nämlich 30°. Man kann nun annehmen, dass er nicht das erste Mal im Sommer in der Toskana war und vielleicht hätte er wissen können, dass 30° dort etwa die Normaltemperaturen im Sommer sind.

KLabauterbach dann weiter mit dem Hinweis, dass die Kirchen so schön kühl sind innen und dass man die Kirchen öffnen und als “Hitzeschutzräume” zur Verfügung stellen könnte. Vielleicht hätte er auch wissen können, dass die Kirchen grundsätzlich geöffnet sind und dass man sich dort durchaus auch heute schon abkühlen kann.

Der beste Tweet war jedoch, dass er meinte, künftig sei der Mittelmeerraum wegen des Klimawandels im Sommer für den Tourismus verloren, weil die Hitze zu extrem werde.

Das war dann selbst dem Chef des italienischen Tourismusverbandes und der italienischen Tourismusministerin zu viel. Ein Fernsehmoderator empfahl ihm: Bleib doch zu Hause oder fahr in den Schwarzwald. Wir haben die Nase voll davon, uns von Deutschen belehren zu lassen.

Kurz auf den Punkt gebracht: KLabauterbach hat fast nichts ausgelassen, um sich lächerlich zu machen.

An der Heimatfront mussten die Medien derweil anderswo nach der Hitze Ausschau halten, nachdem in Deutschland nichts draus wurde. Und siehe da, es gab sie. Nämlich zum Beispiel im Mittelmeerraum, aber auch im Südwesten der USA von Texas bis nach Arizona.

Sogleich mussten Sonderschichten, äh, Sondersendungen gefahren werden, quasi Frontberichterstattung von der Hitzefront.

Und das öffentlich – rechtliche Fernsehen hat da so einige kampferprobte Matadore auf Lager, quasi Universalgenies, die allseits, zu welchem Thema auch immer, einsatzbereit sind.

Eines dieser Universalgenies ist Harald Lesch, im ZDF. Lesch ist von Haus aus Astrophysiker und man sollte ihm in naturwissenschaftlichen Fragen schon einige Kompetenz zutrauen.

Das ZDF zeigte am 18. Juli 2023 einen Lesch – Beitrag mit dem Titel Gesundheitsrisiko Klimakrise - Wie heiß ist zu heiß?, der auch auf die extreme Hitzewelle im Mittelmeer abhob.

In diesem Beitrag wurde eine Graphik über den zeitlichen Verlauf von Hitzetagen in Deutschland seit den 1970er Jahren gezeigt.

Diese Graphik, die inzwischen aber einkassiert wurde, insinuiert, dass die Zahl heißer Tage (Tage mit Temperaturen von 30° oder mehr) sich seit den 1970er Jahren mehr als verzehnfacht hat, nämlich von 13 zwischen 1970 – 1989 auf 143 in 2010 – 2022, was offenkundig nicht stimmt, wie die hier ebenfalls gezeigte Graphik des Umweltbundesamtes erkennen lässt.

Trends von heißen Tagen in Deutschland - Ursachen


Richtig ist, dass die Sommer in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten wärmer geworden sind und dass die Zahl heißer Tage deutlich zugenommen hat, nämlich – in Norddeutschland – von etwa 5 – 6 pro Jahr im Jahresmittel 1950 – 1990 auf etwa 11 – 12 pro Jahr seit 1990.

Die Verdoppelung der heißen Tage ist also bereits in den 1990er Jahren gegenüber den vorangegangenen Jahrzehnten eingetreten. Also Stoff für Sondersendungen bereits vor mehr als 20 Jahren, die es aber nicht gab. Vielleicht hatte Deutschland damals andere Probleme.

In Berlin ist die Zahl der heißen Tage im Zeitraum 2011 – 2020 sogar auf 14,3 pro Jahr gestiegen, hat sich demzufolge etwas mehr als verdoppelt, wobei die extrem heißen Sommer 2018 und 2019 ausschlaggebend für diesen Anstieg waren. 2023 sind bislang (1. August 2023) erst 5 heiße Tage aufgetreten und in den kommenden 10 Tagen ist es eher unwahrscheinlich, dass ein weiterer heißer Tag hinzu kommt.

Hitzewellen und Hitzetage sind in Deutschland und auch im Mittelmeerraum definitiv häufiger geworden in den letzten Jahrzehnten.

Die Ursachen von Hitzewellen und warmen Sommern in Deutschland und Europa haben wir auf diesen Seiten bereits häufiger analysiert. Unserer Einschätzung nach, die durch eine Reihe von Veröffentlichungen in der Fachliteratur und durch Datenanalysen untermauert wird, ist die Hauptursache eine Veränderung in den atmosphärischen Zirkulationsmustern über dem Ostatlantik und über Europa.

Dies geht einher mit einem Rückgang der Wolkenbedeckung, wodurch mehr Sonnenstrahlung den Erdboden erreicht, was im Sommerhalbjahr die Erwärmung zusätzlich verstärkt.

Hinzu kommt ein Rückgang der Luftverschmutzung mit Schwefelpartikeln seit den 1980er Jahren , wodurch die abkühlende Wirkung durch die Rückstreuung des Sonnenlichtes verringert wurde, was zusätzlich die Sonneneinstrahlung verstärkt hat. Diese Effekte werden in der Fachliteratur als “Global Brightening” bezeichnet.

Alle diese Effekte machen in Summe, ausgedrückt in W/m2, mehr als das Zehnfache des Strahlungseffektes der Zunahme des Treibhauseffektes aus, weswegen der menschliche Einfluss auf die Temperaturentwicklung im Sommer in Europa zwar vorhanden, aber eher gering und nicht ausschlaggebend ist für die Erwärmung und die Zunahme der Hitzetage in Europa.

Meteorologische Ursachen für die extreme Hitzewelle im Mittelmeerraum im Juli 2023


Was war nun die meteorologische Ursache für die extreme Hitzewelle im Mittelmeerraum im Juli 2023?

Wir hatten dieses Thema bereits hier kurz gestreift und dargelegt, dass die extreme Hitze die Folge von Zirkulationsanomalien über dem Ostatlantik und Südwesteuropa war, bei der auf der Vorderseite eines Tiefs vor der Küste Portugals mit einer Südwestströmung Heißluft aus der Sahara nach Norden in den Mittelmeerraum geführt wurde.

Für einige Meteorologen Kollegen, die ihre Meinung dazu auch im Fernsehen kund taten, war die Hitze jedoch ganz klar ein Ausdruck des Klimawandels, oder der “Klimakrise”.

An diese Kollegen folgende Bitte. Schaut euch doch einmal den synoptischen Ablauf anhand der Wetterkarten von Anfang bis Ende Juli an, am besten auf den Wetterkarten des 850 mb Niveaus (etwa in 1,5 km Höhe), auf denen man die Bewegung der Heißluftmasse sehr gut verfolgen kann.

Im Sommer stößt Saharaheißluft normalerweise mit Temperaturen um 25°C in 850 mb bis zu den Küsten Nordafrikas vor, was in 2 m Höhe, wo die Lufttemperaturen gemessen werden, Höchsttemperaturen von etwa 40° bedeuten würde. Kommt es zu einer Südwestströmung, wird diese Luft über das Mittelmeer nach Nordosten transportiert.

Der Weg dieser Heißluft von der Küste Nordafrikas (ca. 35° nördliche Breite) bis ins zentrale Mittelmeer (ca. 40° nördliche Breite) ist dabei relativ kurz.

Man kann auf den zitierten Wetterkarten den Ablauf der Hitzewelle über dem Mittelmeer gut nachverfolgen.

Am 6. – 7. Juli verstärkte sich ein Tief über dem Ostatlantik und setzte auf seiner Vorderseite den Heißlufttransport (Verlauf der 25° Isotherme in 850 mb) aus der Sahara ins Mittelmeer in Gang. Zwischen der Kaltluft über dem Ostatlantik sowie über Nordwesteuropa und der Heißluft über dem Mittelmeer verschärfte sich der thermische Kontrast, was wegen der thermischen Windrelation (lernt man im Grundstudium) die Südwestströmung, den Jetstream, über Europa verstärkte.

Parallel dazu erreichten die Temperaturgegensätze in 850 mb zwischen dem nördlichen Mittelmeer (ca 45° Nordbreite) und der Nordseeküste (ca. 55° Nord), über West- und Mitteleuropa, einige Tage teilweise extreme Werte von ca 20° (25° am Mittelmeer, 5° an der Nordseeküste), Temperaturgegensätze, die man auch im Winter selten sieht, wenn die Temperaturgegensätze deutlich größer sind als im Sommer.

In den folgenden Tagen breitete sich auf der Südseite des Jetstreams die Heißluft nach Nordosten und dann nach Osten aus.

Gleichzeitig re-generierte sich das Tief über dem Ostatlantik und über Nordwesteuropa immer wieder, wodurch sowohl der Heißluftstrom auf seiner Vorderseite ins Mittelmeer als auch der starke Jetstream zwischen der Heißluft und der Kaltluft über Nordwesteuropa immer wieder neu angefacht wurde, bzw erhalten blieb.

Auf der kalten Seite dieses kräftigen Jetstreams herrschte entlang der westeuropäischen Küsten, von der Bretagne, der Normandie, der holländischen und der deutschen Nordseeküste bis zur Ostsee kühle und feuchte, teils recht windige Witterung, sicherlich sehr zur Freude der Urlauber dort.

Dabei blieb die südwestliche Grundströmung aus Algerien ins Mittelmeer erhalten und breitete sich weiter nach Nordosten und etwa entlang des 40. Breitenkreises nach Osten aus und überdeckte fast das gesamte Mittelmeergebiet.

Am 26. Juli brach die Südwestströmung durch einen Kaltfrontvorstoß aus Nordwesten zusammen und die extreme Heißluft wurde nach Südosten abgedrängt.

Aus diesem in den Wetterkarten klar nachvollziehbaren Ablauf ergibt sich ganz eindeutig die Ursache der extremen Hitzewelle im Mittelmeer: Ein Zusammenspiel von Zirkulationsanomalien, bei denen über einen längeren Zeitraum vor einem Tief über dem Ostatlantik und Nordwesteuropa Heißluft aus der Sahara nach Norden und Nordosten ins Mittelmeergebiet geführt wurde.

Die Rolle der “Klimakrise” hierbei dürfte sich darauf beschränkt haben, dass die Höchsttemperaturen statt 40° evtl 41° erreicht haben, war aber nicht ursächlich für das Auftreten dieser Hitzewelle an sich, die durch Anomalien in den Zirkulationsmustern verursacht wurde.

Wurden die Zirkulationsanomalien durch den Treibhausgasanstieg ausgelöst?

Generell wird nicht damit gerechnet, dass sich die Zirkulationsmuster über Europa durch den Anstieg des Treibhausgasgehaltes signifikant verändern sollen (s zB die Diskussion hier ).

Hitzewellen und menschliche Gesundheit


Eine zunehmende Zahl von Hitzetagen hat nachteilige Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit, weswegen die Paniksirenen laut aufheulen, KLabauterbach Hitzeschutzpläne aufstellen will und allgemein Klimaschutzmaßnahmen in Form von Emissionsminderungen sofort verschärft werden sollen.

Ganz offensichtlich werden Hitzewellen und menschliche Gesundheit instrumentalisiert, um schärfere klimapolitische Maßnahmen zu fordern.

Wie gefährlich ist die globale Erwärmung jedoch für die menschliche Gesundheit?

In der Medizin ist allgemein bekannt, dass Morbidität und Mortalität temperaturabhängig sind und einem Jahresgang unterliegen. Das Mortalitäts- und Morbiditätsmaximum liegt im Winter, also in der kalten Jahreszeit. Ein kleineres, sekundäres Maximum, tritt im Sommer bei sehr hohen Temperaturen auf.

Untersuchungen haben gezeigt, dass die zusätzliche Mortalität (“excess mortality”) bei Kältestress 5 – 10 mal so hoch ist, wie bei Hitzestress, dies auch in wärmeren Klimaten (z. B. Gasparrini et al, 2015 ; Masselot et al, 2023 ).

Weitere Untersuchungen in Europa haben gezeigt, dass in den letzten Jahrzehnten durch die Erwärmung der Wintermonate der Kältestress nördlich der Alpen und über Osteuropa teilweise mehr als doppelt so stark abgenommen hat, wie der Hitzestress im Sommer zugenommen hat (z. B. Antonescu et al, 2021; Abb. 3 – 7 ). Im Mittelmeerraum (CSa in der Köppen´schen Klimaklassifikation) haben die Hitzestressanomalien allerdings stärker zugenommen, als die Kälteanomalien abgenommen haben ( Abb. 3 – 4 in Antonescu et al, 2021).

Das bedeutet, obwohl der Temperaturstress durch die globale Erwärmung im Sommer zugenommen hat, hat der Kältestress im Europa nördlich der Alpen und in Osteuropa (generell in den mittleren und hohen Breiten) im Winter doppelt so stark abgenommen, sodass im Endergebnis die Auswirkung der globalen Erwärmung auf die menschliche Gesundheit positiv ist, was in der Debatte über Klima und menschliche Gesundheit geflissentlich verschwiegen wird – weil, das widerspräche ja dem gewünschten Narrativ, dass die Erwärmung nur katastrophale Auswirkungen haben kann.

Die Auswirkungen der globalen Erwärmung auf die menschliche Gesundheit werden im veröffentlichten und im politischen Diskurs nur als negativ dargestellt (s. zB den oben zitierten Lesch Beitrag, ein ungeschminktes klimapropagandistisches Machwerk), obwohl die positiven Auswirkungen in vielen Regionen, wie auch in Deutschland, überwiegen. Dies zeigt ein weiteres Mal die Unaufrichtigkeit und Verlogenheit der Klimadebatte.

Ein besonders peinliches Beispiel für die Verschleierung der Zusammenhänge zwischen Temperatur und Zusatzmortalität lieferte kürzlich der oben zitierte Beitrag in der englischen medizinischen Fachzeitschrift “The Lancet” .

Dort wurden die oben dargelegten Zusammenhänge zwischen Temperatur und Zusatzmortalität in einer Graphik so gezeigt, dass der Eindruck erweckt wurde, die “excess” Mortalität bei Hitze sei etwa so groß, wie die “excess” Kältemortalität, obwohl die Kältemortalität in Masselot et al, 2023 ca. 10 mal so hoch war wie die Hitzemortalität (ca. 200.000 statt 20.000 für den Untersuchungszeitraum und das betrachtete Datenkollektiv).

Erreicht wurde dieser Eindruck mit dem nicht auf den ersten Blick erkennbaren Taschenspielertrick, dass die Skalierung der Hitzemortalität in der Graphik um den Faktor fünf überhöht wurde.

Skaliert man sowohl Hitze- als auch Kältemortalität im gleichen Maßstab, erkennt man prima vista das auch aus anderen Studien bekannte Ergebnis, dass die Kältemortalität um den Faktor 5 – 10 mal größer ist, als die Hitzemortalität.

Man fragt sich, wieso die Autoren zu derartigen Tricks greifen müssen.

Vielleicht sollten KLabauterbach und Lesch auch einmal auf die Lebenserwartung in den Mittelmeerländern schauen: Die ist nämlich in den heißen Ländern Spanien, Italien, Malta und Zypern höher als in Deutschland.

Allerdings ist das Klima natürlich nur einer von vielen Faktoren, die die Lebenserwartung beeinflussen.
Vielleicht ist die Lebenserwartung in einigen Mittelmeerländern auch wegen des höheren Weinkonsums höher als in Deutschland.

Das wär doch mal was.