Neuer IPCC Bericht: Emissionszenarien und projizierte Erwärmungsraten

7. September 2021

Erst kürzlich hatten wir auf diesen Seiten eine erste Bewertung des neuen IPCC Berichtes abgegeben. In einigen Aspekten scheint eine genauere Analyse des Berichtes zusätzliche Aufschlüsse über den für die kommenden Jahrzehnte projizierten Temperaturanstieg zu geben.

Wir hatten in der ersten Analyse bereits dargelegt, dass der IPCC für seine Temperaturprojektionen unterschiedliche Emissionsszenarien verwendet, aber keine Wahrscheinlichkeitsbewertung für die einzelnen Szenarien abgibt; lediglich das extrem hohe Emissionsszenario RCP8.5 (jetzt als SSP-5 bezeichnet) wird, als eher unwahrscheinlich angesehen.

Im Summary for Policymakers (SPM) werden auf den Seiten 16 – 18 die verschiedenen Emissionsszenarien und die mit ihnen erwarteten Erwärmungsraten für verschiedene Zeiträume dargestellt (Fig. SPM 4 und Table SPM 1.

Betrachen wir zunächst die unterschiedlichen Emissionsszenarien bis 2050; die Szenarien bis 2100 sind doch sehr spekulativ und wahrscheinlich nicht sehr realistisch. Es wäre unseriös, sie zur Grundlage von Erwärmungsszenarien zu machen. RCP8.5 z. B. nimmt an, dass mehr als das Doppelte der sicher gewinnbaren Reserven an fossilen Energieträgern verbrannt wird; sicherlich kein besonders realistisches Szenario.

SSP1 – 1.9 ist das Niedrigemissionsszenario, bei dem die Weltwirtschaft bis etwa 2050 total de – karbonisiert sein soll. SSP1 – 2.6 geht von einer Emissionshalbierung gegenüber heute und SSP2 – 4.5 von etwa konstanten Emissionen bis 2050 und einem Absenken nach 2060 aus (Fig. SPM 4, S. 16 im SPM).

Mit diesen Emissionsszenarien sollen folgende Erwärmungsraten einhergehen. Sie sind in Table SPM 1 für verschiedene Zeiträume gegenüber der Vergleichsperiode 1850 – 1900 dargestellt (S. 18 im SPM).

In der ersten Spalte ist die projizierte Erwärmung (als 20 - Jahresmittel) für den Zeitraum 2021 – 2040 gezeigt.
Erinnert werden soll in dem Zusammenhang zunächst daran, dass die bislang eingetretene Erwärmung ca. 1,1° C beträgt. Dieser Betrag muss also von den in Table SPM 1 gezeigten Erwärmungsraten abgezogen werden, um die Erwärmung gegenüber heute zu zeigen.

Die projizierte Erwärmung für die nächsten 20 Jahre beträgt praktisch unabhängig vom gewählten Emissionsszenario 1,5 °, also gegenüber heute etwa 0,4°, lediglich das Extremszenario SSP5 – 8.5 soll zu einer Erwärmung von 1,6°, also 0,5° gegenüber heute führen.

Im anschliessenden Zeitraum 2041 – 2060 sollen die Erwärmungsraten im Total – Dekarbonisierungsszenario bis 2050 1,6°, im Halbierungsszenario SSP1 – 2.6 bis 2050 1,7° und im konstanten Emissionsszenario SSP2 – 4.5 2,0° betragen.

Das bedeutete gegenüber heute eine Erwärmung von 0,5°, 0,6° und 0,9° für die jeweiligen Szenarien.

Was bedeutet das für die Klimapolitik?

1. Eine Total – Dekarbonisierung der Weltwirtschaft würde gegenüber einer Halbierung der Emissionen bis 2050 lediglich 0,1° C an Erwärmung einsparen; ein Betrag der innerhalb der Messungenauigkeit der globalen Mitteltemperatur liegt.

3. Gegenüber einer Beibehaltung des gegenwärtigen Emissionsniveaus bis 2050 betrüge die durch die Total – Dekarbonisierung bis 2060 eingesparte Erwärmung ca. 0,4° C.

0,4° C. In etwa die Erwärmung der letzten 30 Jahre. Das ist die Zahl, die man sich merken sollte. Das ist alles, was man durch die Total - Dekarbonisierung der Weltwirtschaft in den kommenden vier Jahrzehnten an Erwärmung einsparen könnte.

Und die wesentlich schwierigere Total - Dekarbonisierung der Weltwirtschaft gegenüber einer 50%igen Emissionssenkung bis 2050 würde bis 2060 nur den nicht signifikanten Unterschied von 0,1° vermiedener Erwärmung bedeuten

Was würde es kosten, 0,4° an Erwärmung einzusparen? Dazu gibt es einige Abschätzungen, die z. B. hier zitiert werden.

Genannt werden Zahlen von bis zu 90 Billionen USD allein in den USA, eine unvorstellbare Zahl, die aber durchaus nicht unrealistisch sein muss, wenn man sich vergegenwärtigt, dass die gesamte bestehende Energieinfrastruktur auf fossiler Basis zerschlagen und durch eine neue - wie auch immer geartete - kohlenstoffreie ersetzt werden müsste.

Und allein der Umbau aller Städte der Welt, sodass man auf Autos verzichten könnte, würde 90 Billionen USD kosten.

Die weltweiten Kosten der Total – Dekarbonisierung von Wirtschaft und Gesellschaft würden dann natürlich noch erheblich höher liegen.

Erinnert soll in dem Zusammenhang auch daran, dass die deutsche Energiewende die Stromverbraucher pro Jahr etwa 30 Mrd. EUR kostet, ohne nennenswert CO2 zu reduzieren und dass die Gesamtkosten, die durch die langfristigen Zahlungsverpflichtungen an die Betreiber der EEG Anlagen entstehen, sich auf etwa 500 Mrd. EUR belaufen – Tendenz steigend, je mehr EEG Anlagen gebaut werden.

Vielleicht sollte man diese Zahlen einmal in den klimapolitischen Diskurs einbringen, um zu verdeutlichen, worüber hier eigentlich diskutiert wird. Net – Zero bis 2050 bringt für das Klima wenig bis Nichts, ist aber ein nahezu unvorstellbarer Kraftakt für Wirtschaft und Gesellschaft.

Und man sollte vor dem Hintergrund dieser im neuen IPCC Bericht veröffentlichten Zahlen extreme De - Karbonisierungsstrategien bis 2050 noch einmal einer Überpfüfung unterziehen.