Kann ein flexibleres Emissionshandelssystem Deutschland und Europa vor dem wirtschaftlichen Niedergang retten?

29. November 2025


Wir haben in der Vergangenheit wiederholt verschiedene klimapolitische Instrumente, wie Ordnungsrecht, Emissionshandel und CO2 Steuern analysiert (s. zB hier).

Vor allem haben wir die systematischen Unterschiede der verschiedenen klimapolitischen Instrumente verdeutlicht. Wir haben auch auf die Tendenz in der Klimapolitik hingewiesen, verschiedene klimapolitische Instrumente zu überlagern und dadurch unsystematischer und ineffizienter, sprich teurer zu machen.

Das ist zB in der Überlagerung von Ordnungsrecht mit Emissionshandel im Gebäudeenergiebereich der Fall, bei dem der Brennstoffverbrauch dem Emissionshandel unterliegt bzw unterliegen soll und für den zusätzlich stringente ordnungsrechtliche Energieeffizienzvorgaben und Vorschriften für die gestattete Art der Heizung gemacht werden.

Die Unterschiede zwischen Ordnungsrecht und Emissionshandel werden zB auch hier erläutert.

Grundsätzlich sind einem Ordnungsrecht die Kosten der Zielerreichung einerlei.

Ein Emissionshandelssystem ist ein planwirtschaftliches Mengensteuerungssystem, in dem der Preis der Zielerreichung unbekannt ist, aber einem Emittenten überlassen bleibt, wie er sein Ziel erreicht:
Durch Maßnahmen an seiner Anlage, durch Produktionsminderung oder durch Zukauf von Emissionsrechten. Er wird den Weg wählen, mit dem das Minderungsziel zu den geringsten Kosten erreichbar ist.
Deswegen ist ein Emissionshandel einem reinen Ordnungsrecht überlegen.

Eine Steuer belastet die Emissionen mit einem fixen Preis, kann aber keine Zielerreichung garantieren. Alle drei Varianten verteuern die Nutzung fossiler Energieträger.

Kürzlich wurde eine vom DIHK (Deutsche industrie- und Handelskammer) in Auftrag gegebene Studie https://klimanachrichten.de/2025/11/26/die-billionen-falle-dihk-studie-entlarvt-energiewende-als-volkswirtschaftliche-ueberforderung/#more-9978 veröffentlicht, in der die Kosten des Erreichens einer Klimaneutralität bis 2045 in Deutschland mit 5 – 6 Billionen EUR abgeschätzt und Empfehlungen gegeben werden, diese Kosten zu senken.

Die Langfassung der Studie ist hier einsehbar. Kern des Konzeptes ist ein Plan B im Klimaschutz.

Zitat: "Kern des Konzeptes ist ein umfassendes Cap and Trades System, das sämtliche Treibhausgasemissionen über alle Sektoren hinweg abdeckt. Ein feste CO2 Budget wird festgelegt, die Zertifikate können aber zeitlich flexibel innerhalb des Zeitraums bis zur Klimaneutralität genutzt werden. Entscheidend: Die Reduktionsziele werden regelmäßig an die Entwicklung einer internationalen Vergleichsgruppe (etwa der G20) angepasst. Deutschland reduziert maximal "G20 + X Prozent" - ein spieltheoretischer Anreiz für mehr Klimaschutz, ohne durch strukturelle Alleingänge den Standort Deutschland zu ruinieren."

Dieses Konzept und die klimapolitische Instrumentenbereinigung sind insoweit positiv zu bewerten, da insbesondere die Verfilzung von Emissionshandel und Ordnungsrecht kontraproduktiv und kostentreibend ist. Eine Rückkehr zur Nutzung der Kernenergie, wodurch erhebliche CO2 Mengen eingespart werden könnten, wird nicht erwähnt, wohl deswegen nicht, weil sie in Deutschland politisch nicht durchsetzbar wäre.

Kern des Plans B im Klimaschutz soll, wie beschrieben, eine Ausweitung des Emissionshandels auf alle Sektoren sein, was die EU mit dem EU – ETS und dem ETS2 ab 2027 zwar auch plant, aber nach einer völlig anderen, stringenteren Systematik. Die Gesamtmenge der Emissionsrechte für den Zeitraum bis 2045, dem Zieljahr des Erreichens von Klimaneutralität, ist fixiert. Die Emissionsrechte können innerhalb dieses Zeitraums frei gehandelt werden („Banking und Borrowing“), ohne dass das Gesamtbudget bis 2045 verändert wird.

Der Clou des DIHK Vorschlags ist, das das Gesamtbudget „atmet“ und sich an der klimapolitischen Ambition einer Gruppe von Vergleichsländern orientiert, wie zB den G20 Ländern und regelmäßig angepasst wird. Deutschland würde danach um einen Betrag X Prozent mehr reduzieren, um seiner Vorreiterrolle gerecht zu werden, wobei der Betrag aber nicht so groß ist, um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft gegenüber der Länder – Vergleichsgruppe zu gefährden.

Dieses Konzept ist grundsätzlich interessant, weil es gegenüber dem Emissionshandel der EU mehr Flexibilität bietet und Wettbewerbsnachteile der deutschen Wirtschaft gegenüber Länder – Vergleichsgruppen stark verringert, wenn auch nicht vollständig beseitigt. Der EU Emissionshandel sieht starre Reduzierungsziele vor, unabhängig davon, was andere Länder machen.

Allerdings ist dadurch die jetzige klimapolitische Zielvorgabe einer Nullemission in 2045 in Deutschland bzw in 2050 in der EU gefährdet, denn wenn die Länder – Vergleichsgruppen wesentlich weniger reduzieren, als Deutschland, Deutschland aber nur um einen bestimmten prozentuellen Betrag mehr zu reduzieren braucht, als die Vergleichsländer, kann (und wird wahrscheinlich auch) die Situation eintreten, dass Deutschland das Null – Emissionsziel in 2045 nicht erreicht.

Den Autoren der Studie zufolge (S. 67 „Risiken“) wäre dann zwar der internationale Klimaschutz insgesamt gefährdet, aber nicht die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft, weil der prozentuale Abstand zu den Vergleichsländern gleich bleibt.

Dieses Konzept beendet also die Vorreiterrolle Deutschlands in ihrer jetzigen Form („CO2 muss um jeden Preis reduziert werden, koste, was es wolle“) und räumt implizit auch das Ziel einer Null – Emission in 2045 ab.

Jedoch würde auch dieses Konzept, obwohl es günstiger für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft ist, Kosten verursachen, die auf den Bürger abgewälzt werden.

Das DIHK Konzept wird wohl politisch sehr schlecht durchsetzbar sein, denn die jetzige Klimapolitik ist ideologisch und auch gesetzgeberisch zu tief verankert, als dass derartige Korrekturen möglich und realistisch erscheinen.
Hier seien nur der Klima Beschluss des BVerfG vom 29. April 2021, die Novellierung des Klimaschutzgesetzes, die von den Grünen und Friedrich Merz im März 2025 betriebene verfassungsrechtliche Verankerung der Klimaneutralität in 2045 und die zahlreichen gesetzgeberischen Initiativen der EU Kommission genannt.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Interessantes Konzept, aber kaum realistische Aussichten auf Umsetzung. Wir werden wohl weiter mit dem extremistischen Klimawahn in Deutschland und Europa leben müssen – es sei denn, die negativen Auswirkungen der Klima – Extrempolitik für Wirtschaft und Gesellschaft werden so gravierend, dass sich diese Politik nicht weiter durchsetzen lässt.