CO2, Energie- und Klimapolitik: Statistical Review of World Energy 2026

13. Juli 2026


Am 30. Juni 2026 wurde die diesjährige Ausgabe des Statistical Review of World Energy veröffentlicht. Dieses Werk ist eine Art Bibel für alle an energie- und klimapolitischen Themen interessierten. (Das andere Standardwerk ist – oder sollte zumindest sein – das „Eye on Market Energy Paper“ von JPMorgan Chase, das eine Fülle von Informationen zu energiewirtschaftlichen, energie- und klimapolitischen Themen enthält).

Es enthält umfassende Informationen aus nahezu allen Bereichen der weltweiten Energiewirtschaft – inklusive über aktuelle länderspezifische CO2 Emissionstrends.

Die wichtigsten Erkenntnisse sind:

Der weltweite Energieverbrauch (Total Energy Supply) ist im Jahr 2025 um 1,7% gestiegen.

Am stärksten ist die Energiebereitstellung durch Erneuerbare gestiegen, mit 3,3 Exajoules (EJ; 1 Exajoule = 277,8 TWh), gefolgt von Öl mit 2,5, Gas mit 2,4, Kohle mit 1,1, und Kernenergie mit 0,4 EJ. Fossile insgesamt sind demnach um 6,0 EJ gestiegen, also um knapp doppelt soviel, wie Erneuerbare.

Die Stromerzeugung ist um 3% gestiegen; an diesem Anstieg hat die solare Erzeugung mit 30% den größten Anteil, der Anstieg der Windkrafterzeugung betrug 8,2%. Der Gesamtanteil von Wind und Sonne an der weltweiten Stromerzeugung in 2025 betrug 8,4 und 8,7% resp. Der Anteil der Kernenergie betrug 8,8%.

In der EU leisteten Erneuerbare einen Beitrag von knapp 36% zur Stromerzeugung in 2025, gefolgt von der Kernenergie mit knapp 23%, Gas mit 17, Wasserkraft mit 11 und Kohle mit 9,6%.

Regional ist der Anstieg des Energieverbrauchs in den letzten 10 Jahren fast durchweg auf einen Anstieg im asiatisch – pazifischen Raum zurückzuführen (s. Grafik S. 14 und Tabelle S. 24). Prozentual den größten Anstieg in 2025 verzeichneten Afrika mit 3,5, Nordamerika mit 2,0 Asien und der Nahe Osten mit 1,8%.

In Europa stieg der Energieverbrauch um 0,7 und in Deutschland um 0,1%.

Die Tabelle auf S. 24 zeigt für die einzelnen Länder und Regionen die Aufteilung des Energieeinsatzes nach Energieträgern.
Die Tabelle zeigt für alle Länder und Regionen die Dominanz der fossilen Energieträger, obwohl die Erneuerbaren, besonders in der Stromerzeugung, in den letzten Jahren stark zugelegt haben. Der Anteil fossiler Energieträger liegt generell bei etwa 80%, auch in der EU und in Deutschland.

Die weltweiten CO2 Emissionen sind 2025 um 1,1% auf 35,802 Mrd. t gestiegen (Tabelle S. 27).
Prozentual am stärksten sind die Emissionen in Afrika gestiegen mit 2,8%, gefolgt von Nordamerika mit 2,7, dem Nahen Osten mit 1,5. Der asiatische Raum ist mit 0,8% nur wenig gewachsen. Die Emissionen der EU sind unverändert geblieben, in Deutschland sind sie 1,2% gesunken.
Die Gesamtemissionen des OECD - Bereiches sind um 1,1% auf 11.161 und die des Nicht – OECD Bereiches um 1,2% auf 24.645 Mio. t gestiegen.

Im Vergleich zum 10 – Jahrestrend von -1,1% sind die OECD Emissionen mit + 1,1% erkennbar gestiegen, während die Nicht - OECD Emissionen geringer als der 10 – Jahrestrend von + 1,9% nur mit + 1,2% gestiegen sind.

In der weltweiten Gesamtaufteilung der Emissionen bleibt es bei ca. 69% Nicht – OECD und 31% OECD, wie bereits 2024.

Wichtig ist, dass sich nicht nur der weltweite Emissionstrend abgeschwächt hat, sondern auch der Trend in den bevölkerungsreichen und wachstumsstarken Regionen des asiatischen Raums: Nämlich auf +0,8% im Vergleich zum 10 – Jahrestrend von +2,0% per annum. Die Ursachen der Trendabschwächung dürften einerseits im Ausbau erneuerbarer Energien, andrerseits in der steigenden Energieeffizienz beim Einsatz aller Formen von Energien liegen.

Laut der Tabelle auf S. 25 sind die Erneuerbaren (ohne Wasserkraft) in 2025 auf 35,45 von 32,24 EJ in 2024, also um 3,2 gestiegen; Kohle, Öl und Gas in Summe um 5,0 EJ. Der gesamte Energieeinsatz betrug 600 EJ und der Anteil fossiler Energieträger 518 EJ.

Die fossilen Energieträger leisteten demnach einen Beitrag von über 80% zur weltweiten Energieversorgung; die Erneuerbaren inkl. Wasserkraft 8,5%. Der Rest wird durch die Kernenergie bereitgestellt.

Im Mittel der vergangenen 10 Jahre betrug der jährliche CO2 Emissionsanstieg 0,9% und der mittlere jährliche Anstieg des weltweiten Energieverbrauchs 1,4%, dh die De- Karbonisierungsrate betrug 0,5%.

In den OECD Ländern verringerte sich der Energieverbrauch in den vergangenen 10 Jahren im Jahresmittel um 0,2% und die CO2 Emissionen sanken im Jahresmittel um 1,1%, dh die De – Karbonisierungsrate lag bei 0,9% per annum. In der EU sind die CO2 Emissionen in den letzten 10 Jahren im Jahresmittel um 2,0% gesunken und in Deutschland um 3,0% (Tabelle auf S. 27).

Was bedeutet das für die Klimapolitik in Deutschland und in der EU?

Bei einer Fortschreibung der jährlichen Minderungsrate von 2,0% lägen die CO2 Emissionen der EU im Jahr 2050 bei ca. 60% der Emissionen von 2025, aber sicherlich nicht bei Net – Zero.

Im Falle Deutschlands lägen die CO2 Emissionen bei Fortschreiben der jährlichen Minderungsrate von 3,0% in 2045, dem Jahr, bis zu dem auf Grundlage der politischen Beschlüsse in Deutschland Net – Zero erreicht werden soll, bei ca. 54% der Emissionen in 2025, also mit Sicherheit auch nicht bei Net – Zero.

Das bedeutet, die jährlichen Minderungsraten müssten sowohl in Deutschland als auch in der EU drastisch verschärft werden, um die politisch festgelegten Minderungsziele zu erreichen.

Die EU will dies mit einem Bündel klimapolitischer Maßnahmen erreichen, die sich teilweise überlagern und/oder konterkarieren.
In jedem Fall ist absehbar, dass dies zu einer nahezu unglaublichen Kostenlawine führen wird, die die Grundlage der europäischen und besonders der deutschen Volkswirtschaft, die sehr industrielastig und CO2 – intensiv ist, zerstören wird.

Nicht nur wird dadurch die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber außereuropäischen Volkswirtschaften zerstört, sondern durch den Zusammenbruch europäischer industrieller Wertschöpfung werden Arbeitsplätze vernichtet und durch die Verteuerung der Produktion (CO2 Bepreisung in EU – ETS und ETS2 ab 2027) und dadurch ausgelöste inflationäre Preisentwicklung verteuert sich das Leben für breite Bevölkerungsschichten.

Die Zerstörung der industriellen Basis durch Verringerung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen und europäischen Volkswirtschaften wird zu Arbeitsplatzverlusten führen – ein Prozess, der bereits jetzt in der deutschen Wirtschaft zu spüren ist.

Die Klimapolitik wird zu einem generellen Absinken des Lebensstandards bis hin zur Verarmung von Teilen der Bevölkerung führen.

Auch die sozialen Sicherungssysteme werden davon stark betroffen sein, denn deren Finanzierung hängt von einer florierenden Volkswirtschaft ab. Die Klimapolitik wird zu einer Erdrosselung der Wirtschaft führen, weswegen das Steueraufkommen – und auch die Beiträge zu den sozialen Sicherungssystemen – sinken werden.

Wie bereits zB hier ausgeführt, arbeiten Klimapolitik und Wirtschaftspolitik gegeneinander.

Diese Prozesse sind bereits im vollen Gange.

Die Politik versucht diese Probleme mit Steuer- und Abgabenerhöhungen, Leistungseinschränkungen in den sozialen Sicherungssystemen und durch Ausweitung der Staatsverschuldung (das sog „Sondervermögen“, was natürlich nur riesige Sonderschulden sind) zu übertünchen.

Das verschafft vorübergehend etwas Luft und vermittelt in der Öffentlichkeit den Eindruck, die Politik sei handlungsfähig, kann aber nicht über die grundlegenden Probleme hinwegtäuschen, die sich die Politik mit ihrem Festhalten an der klimapolitisch motivierten De - Karbonisierung der Wirtschaft, die zur De – Industrialisierung führt, selbst geschaffen hat.

Ähnliches findet auch in der EU statt. Der gesamte Reigen klimapolitischer Beschlüsse, Richtlinien etc wird auch in der EU insgesamt zu einer erheblichen Verringerung der wirtschaftlichen Aktivität und zur Belastung breiter Bevölkerungsschichten führen.

Grundübel ist der ideologische Kern der deutschen und europäischen Klimapolitik: Eine ideologische Zielvorgabe – Net – Zero in 2050 bzw 2045 – soll ohne Rücksicht auf andere Politikziele und ohne Rücksicht auf Kosten umgesetzt werden.

Diese Art Klimapolitik übersieht, bzw ignoriert, dass sie in Konkurrenz zu anderen Politikzielen steht.

Mit anderen Worten: Es gibt keine Abwägung der Verhältnismäßigkeit dieser ideologischen Zielvorgaben mit anderen politischen Zielen, wie zB Wachstum, Beschäftigung und Sicherung der Sozialsysteme.

Oft genannte Argumente wie: Wenn wir keinen „Klimaschutz“ betreiben, kommt die Klimakatastrophe und das wird wesentlich teurer, als „Klimaschutz“, gehen vollständig an der Sache vorbei, denn für die Klimaentwicklung in den nächsten Jahrzehnten ist es völlig irrelevant, wieviel CO2 Deutschland oder Europa reduziert, einfach deswegen, weil unser Anteil an den weltweiten Emissionen mit 1,6 bzw 7% viel zu gering ist, um klimatisch überhaupt nur messbar zu sein, wie wir auf diesen Seiten bereits wiederholt dargelegt haben.

Zudem haben viele Studien gezeigt, dass die Grenzkosten einer CO2 Vermeidung pro t CO2 deutlich höher sein können, als der Grenznutzen einer CO2 Minderung. Auch deswegen zieht das Kostenargument eher nicht.

Es ist sicherlich sinnvoll, den Einsatz fossiler Energieträger zu reduzieren, wo das technisch möglich und wirtschaftlich akzeptabel, sprich aus Kostenerwägungen heraus empfehlenswert ist.

Aber es ist nicht sinnvoll, sondern eher selbstzerstörerisch, Wirtschaft und Gesellschaft in ein strammes planwirtschaftliches Korsett zu zwängen, mit dem stringent vorgegeben wird, wieviel CO2 bis zu welchem Zeitpunkt reduziert werden muss, ungeachtet aller Kosten und nachteiligen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen.

Aber das genau tut die europäische und deutsche Klimapolitik mit ihren zahlreichen klimapolitischen Instrumenten, zu denen auch der Emissionshandel gehört, der zwar als marktwirtschaftliches Instrument verbrämt wird, aber schlussendlich das planwirtschaftlichste Instrument überhaupt ist.

Nicht nur das: Sie ignoriert nicht nur, dass ihre Klimapolitik nichts Messbares bewirkt, sondern sie ignoriert auch, dass die weltweiten Emissionstrends in den bevölkerungsreichen und wachstumsstarken Regionen der Welt, wie Asien und Afrika den CO2 und Klimatrend der nächsten Jahrzehnte definieren und nicht die Emissionen der EU oder Deutschlands.

Die Klimapolitik Deutschlands hat in keinem dieser Länder und Regionen eine Vorbildfunktion, wie gelegentlich behauptet wird, sondern eher eine abschreckende Funktion.

Keines dieser Länder steigt sowohl aus der fossilen Energie als auch aus der Kernenergie aus, wie Deutschland und zerstört damit die Energieversorgung und mithin die Grundlage seiner Wirtschaft.

Die bevölkerungsreichsten Länder der Erde, China und Indien zB , bauen alle Formen der Energieversorgung aus: fossile, erneuerbare und nukleare. Die Sicherung der Energieversorgung zu bezahlbaren Preisen hat absolute Priorität vor klima - ideologischen Zielvorgaben.

Der weltweite Ausbau erneuerbarer Energien, aber auch der CO2 – neutralen Kernenergie, wird zu einer weiteren Abflachung des CO2 – Emissionstrends führen. Ob diese Abflachung zu einer Emissionsverringerung in absoluten Zahlen führen wird, ist gegenwärtig ungewiss, da 69% der weltweiten Emissionen aus dem Bereich der Entwicklungs- und Schwellenländer stammen, die einen immensen wirtschaftlichen Nachholbedarf haben, der mit Sicherheit zu einem großen Teil mit fossilen Energieträgern gedeckt werden wird. Dies wird auch in einem neuen Energieausblick der IEA so gesehen. Eine Nullemission in 2050 ist völlig unrealistisch.

Wie könnte eine sinnvolle Klimapolitik in Deutschland und Europa aussehen?

In einem lesenswerten Essay hat sich der deutsche Klimaforscher Hans von Storch einige Gedanken darüber gemacht.

In diesem Essay werden einige Gedanken vorgetragen, die wir auf diesen Seiten auch vertreten.

Da weder Deutschland noch die EU am weltweiten Klimatrend durch Emissionsminderung etwas Messbares beitragen können, sollte im Mittelpunkt klimapolitischer Maßnahmen, neben Minderungen, die technisch möglich und wirtschaftlich sinnvoll sind, die Anpassung an Klimaänderungen stehen, soweit erforderlich.

Was in Deutschland und in Europa erforderlich ist, darüber kann man diskutieren. Ist es erforderlich, sich an mildere Winter anzupassen? Wohl eher nicht, denn der Heizungsbedarf sinkt, es gibt weniger Schnee und Eis, Frostschäden an Straßen und Gebäuden nehmen ab, das Erkältungs- und Gripperisiko nimmt ebenfalls ab etc.

Im Sommer steigt das Risiko von Hitzewellen, deren Ursache in Deutschland und Europa nicht nur der Treibhausgasanstieg in der Atmosphäre ist, siehe zB die Diskussion hier. Die Zahl von heißen Tagen, Tage mit Höchsttemperaturen über 30°, hat sich in Deutschland in den letzten Jahrzehnten etwas mehr als verdoppelt; von ca. 5 – 6 in Norddeutschland auf 12 - 14. Das mögen empfindliche Bevölkerungsgruppen als unangenehm empfinden, andere, wie Kinder und Jugendliche mag´s erfreuen, denn es bedeutet mehr Tage im Freibad. Die technologische Lösung zur Bekämpfung von Hitzestress lautet: Klimaanlagen.

Zudem ist die kältebedingte Sterblichkeit etwa 5 – 10 mal höher, als die hitzebedingte, so dass der Netto – Effekt einer Erwärmung auf die menschliche Gesundheit eher positiv sein sollte.

In Deutschland haben weder extreme Niederschlagsereignisse noch Stürme in den letzten Jahrzehnten zugenommen.

Dürreperioden im Sommerhalbjahr haben in den letzten 20 Jahren zugenommen, besonders 2003, 2018 und 2022; der langfristige Niederschlagstrend ist seit dem Jahr 2010 leicht, aber nicht signifikant, abwärts gerichtet. Zwischen den Jahren mit sommerlicher Dürre gab es immer wieder feuchte Sommer, so zB 2002, 2007, 2014, 2017, 2021, 2023.

Die in von Storch´s Essay andiskutierten Maßnahmen eines Geo – Engineerings, wie das Verbringen kühlender Aerosole in die Stratosphäre oder technologische Maßnahmen für negative Emissionen, also das Ausfiltern von CO2 aus der Atmosphäre sind aus verschiedenen Gründen wenig sinnvoll.

Die Verbringung von CO2 in geologischen Speichern, also Carbon Capture and Storage (CCS), könnte sinnvoll und möglich sein, obwohl sehr teuer (die Stromerzeugungskosten würden sich etwa verdoppeln, lägen aber immer noch unter den Kosten erneuerbarer Energien, wenn man deren Systemintegrationskosten vollständig berücksichtigt).

In Deutschland haben die Grünen dafür gesorgt, dass diese Technologie verboten bleibt, genauso, wie die CO2 – neutrale Kernenergie. Denn allein Wind und Sonne sollen es richten.

Alle diese Überlegungen sind jedoch rein hypothetischer Natur, denn sowohl in Deutschland als auch in der EU wurden umfassende gesetzliche Regelungen beschlossen, um das Ziel einer Klimaneutralität bis 2045 bzw 2050 zu erreichen.


Wie auf diesen Seiten bereits häufiger ausgeführt, wird es irgendwann zu einem Clash zwischen klimapolitischen Ambitionen und wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Realität kommen. Dann wird sich zeigen, ob Realität oder Klimaideologie obsiegt.