Welche Auswirkungen hat das starke El Nino Ereignis auf unser Wetter?14. September 2026Auf dem östlichen tropischen Pazifik kommt es in diesem Jahr zu einem außergewöhnlich starken El Nino Ereignis. In den Medien wird teilweise intensiv darüber spekuliert, welche Auswirkungen dieses Ereignis auf das Wetter in Deutschland und in Europa hat – bzw haben könnte. Bereits im Frühsommer wurde hier und da die Ansicht geäußert, El Nino würde bei uns einen „Höllensommer“ verursachen. Den Höllensommer haben wir bekommen – aber war El Nino die Ursache? Wohl eher nicht, wie zB hier und hier detaillierter ausgeführt: Es gibt keinen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen El Nino und dem Charakter der Sommerwitterung in Deutschland und Europa – auch wenn in den Medien teilweise das Gegenteil behauptet wurde. Der Blick richtet sich jetzt – da der meteorologische Sommer vorbei ist – auf den bevorstehenden Winter. Wird es wegen El Nino einen eisigen Winter geben, wie in einigen Medien spekuliert wird? Dazu schauen wir uns den statistischen Zusammenhang zwischen El Nino – allgemein den sog ENSO Phasen – und den Wintertemperaturen in Mitteleuropa in den letzten Jahrzehnten an. Das Ergebnis ist – ähnlich wie im Sommer – ernüchternd: Es gibt seit den 1950er Jahren keinen wie auch immer gearteten signifikanten statistischen Zusammenhang zwischen der El Nino – La Nina Phase und den mitteleuropäischen Wintertemperaturen. Dies, wenn man sowohl die ENSO Phase in den Herbstmonaten Oktober – Dezember als auch in den Wintermonaten Dezember – Februar mit den Wintertemperaturen des meteorologischen Winters Dezember – Februar vergleicht. Die Berücksichtigung der El Nino Phase im Spätherbst ist sinnvoll, da das El Nino Signal etwa 3 – 6 Monate braucht, um auch in den mittleren Breiten nachweisbar zu sein. Generell tritt der El Nino Effekt auf die globale Mitteltemperatur ebenfalls nicht in dem Jahr deutlicher in Erscheinung, in dem das El Nino Ereignis seinen Anfang nimmt, sondern im darauffolgenden Jahr. Das ist deswegen der Fall, weil El Nino erst um den Jahreswechsel seinen Maximalwert erreicht und weil es 3 – 6 Monate dauert, bis die vollen Auswirkungen nicht nur in den tropischen Regionen, sondern global sichtbar sind. Da das diesjährige El Nino Ereignis extrem werden soll, erscheint es sinnvoll, die Auswirkungen vergangener extremer El Nino Ereignisse auf die Winterwitterung in Mitteleuropa zu betrachten. Als extrem sollen die El Nino Ereignisse eingestuft werden, bei denen die Temperaturabweichung in der Nino3.4 Region in mindestens einer 3 – Monatsperiode um mindestens 2°C zu warm war. Dies war in folgenden Jahren der Fall (Ausnahme 1957/58, als es nur 1,9° zu warm war, aber dicht genug an 2° um hier mit berücksichtigt zu werden): 1957/58, 1965/66, 1972/73, 1982/83, 1991/92, 1997/98, 2015/16. Die Wintertemperaturen in diesen Jahren wiesen folgende Abweichungen auf (Grundlage ist die mitteleuropäische Temperaturreihe von Prof. Franz Baur. Die Abweichungen beziehen sich auf das Mittel 1761 - 1970): 1958: 1,4; 1966: 1,7; 1973: 0,9; 1983: 2,3; 1992: 2,0; 1998: 3,2; 2016: 4,3 Das bedeutet, die Winter in Deutschland waren in allen Jahren, in denen ein extremes El Nino Ereignis aufgetreten ist, wärmer als im langjährigen Mittel. Hinzu kommt die generelle Klimaerwärmung, die sich in Deutschland in der Trenderwärmung der letzten Jahrzehnte zeigt. Ein weiterer Aspekt spricht dafür, dass der kommende Winter milder als normal werden wird. Dies ist die September Regel, die wir vor einigen Jahren hier abgeleitet haben. Sie besagt, dass der kommende Winter milder als normal wird, wenn der September in Mitteleuropa mindestens 2° zu warm ist. Diese Regel steht im Gegensatz zu der hier zitierten Regel. In diesem Jahr ist abzusehen, dass der September mindestens 2° wärmer als normal ausfällt. Denn die ersten 12 Tage waren bereits mehr als 3° zu warm und ferner deuten die langfristigen Vorhersagekarten darauf hin, dass die kommenden 15 Tage ebenfalls mindestens um 2° zu warm werden. Als Fazit dieser Betrachtungen kann man festhalten, dass gegenwärtig alle Anzeichen darauf hindeuten, dass der kommende Winter zu mild werden wird. Spekulationen in den Medien, dass es wegen El Nino zu einem kalten Winter kommen könnte, entbehren vor dem Hintergrund der vorliegenden Daten jeglicher Grundlage. Wie immer bei derartigen Überlegungen bedeutet das jedoch nicht, dass es zu überhaupt keinen winterlichen Episoden kommen kann, sondern lediglich, dass der Winter INSGESAMT zu mild werden sollte. Kürzere Schnee- und Frostepisoden sind dabei nicht ausgeschlossen. |
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