Climategate: Betreibt das IPCC Wissenschaft oder Lobbying?

Genau das ist die Frage, die sich nach den seit Ende 2009 nicht mehr abreißenden Peinlichkeiten stellt, die über die Arbeit des IPCC ans Licht der Öffentlichkeit gelangen. Unbekannten Computer-Hackern war es gelungen, in die e-mail Archive eines Klimaforschungsinstitutes in England einzudringen, dessen Forscher mit ihrer Arbeit den IPCC Konsens maßgeblich mitgestaltet haben. Die Details dieser e-mails lassen die beteiligten Forscher in einem wenig günstigen Licht erscheinen. Was sich seitdem immer stärker abzeichnet, ist das Bild eines Gremiums, das für sich ein hohes Maß an Objektivität und Glaubwürdigkeit in Anspruch nimmt, aber schlussendlich ein politisches Gremium mit einer politischen Aufgabe ist, sich aber mit einem Mäntelchen der wissenschaftlichen Objektivität umhüllt. Das es mit dieser wissenschaftlichen Objektivität nicht allzu weit her ist, wurde inzwischen an zahlreichen Beispielen, die auch hier dargelegt sind, sehr genau und bis ins letzte peinliche Detail offen gelegt. Der gesamte Komplex, der inzwischen mit dem Namen „Climategate“ betitelt wurde, in Anlehnung an die Watergate Affäre Anfang der 1970er Jahre in den USA, über die der damalige US Präsident Nixon strauchelte , wurde seither deutlich ausgeweitet und um „Glaciergate“, „Amazongate“, „Africagate“ und andere bereichert.

Für den deutschen Beobachter interessant und aufschlussreich war, wie die deutschen und wie die ausländischen Medien, besonders die „Mainstream Massen Medien“, im weiteren M3 genannt, mit der Sache umgingen. Während besonders die britischen - aber auch die amerikanischen - Medien das Glaubwürdigkeitsproblem des IPCC und der namentlich in den e-mails genannten Forscher frühzeitig erkannten und deutlich beim Namen nannten, waren es für die deutschen Medien generell - aber auch für einige deutsche Klimawissenschaftler – nur einige belanglose Schnitzer, die von den bösen Klimaskeptikern aufgebauscht wurden („Den Klimaskeptikern gehen die Argumente aus“), die aber nichts grundsätzliches an den Kernaussagen des IPCC ändern würden. Schwamm drüber und zurück zur Tagesordnung. Al Gore, ex US Vizepräsident und Autor des Klimapropagandafilms „Eine unbequeme Wahrheit“ hat sich in ähnlicher Weise am 27. Februar 2010 in der NYT zu Wort gemeldet und muss nun seinerseits eine Reihe von unbequemen Wahrheiten verdauen (NYT 27. Feb 2010).

Dabei ist diesen Auguren offenkundig entgangen, dass sie ungewollt dem Begriff „Klimaleugner“ eine völlig neue Bedeutung verliehen haben: Sie leugnen nämlich, worum es wirklich geht, oder schlimmer noch, sie haben es gar nicht erkannt, weil sie von sich und ihrer Klimaideologie so überzeugt und eingenommen waren (und wohl noch immer sind), dass es ihre gesamte Vorstellungswelt sprengen würde, zu erkennen und zuzugeben, dass einige der zentralen Aussagen des IPCC, die das Rückgrat der Klimakatastrophenpolemik in den Medien bilden (besonders des Klima-Hypes des Jahres 2007 nach Veröffentlichung des 4. IPCC Zwischenberichtes) nicht mehr haltbar sind und es im Grunde genommen nie waren (UN wrongly linked global warming to natural disasters, ROGER PIELKE JR.'S BLOG).

Es geht hierbei besonders um die vom IPCC postulierten Auswirkungen des Klimawandels auf das Auftreten extremer Wetter- und Witterungsereignisse, Dürren und Landwirtschaft in Südamerika und Afrika sowie auf die Schmelze des Eises im Himalaya, als auch um die Einordnung des globalen Temperaturanstiegs der letzten Jahrzehnte in längerfristige Klimaschwankungen.

Man mag argumentieren, hier handele es sich nur um Details, die zentrale Aussage, dass die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre ansteigt, die Erde wärmer wird und dass dies gefährlich sein konnte, wird dadurch nicht berührt. Das ist natürlich richtig, aber darum geht es nicht.

Es geht um viererlei. Erstens, dass dem IPCC durch Schlampigkeit Fehler unterlaufen sind, was am ehesten verzeihlich ist, denn Irren ist schließlich menschlich. Aber der IPCC ist nicht sakrosankt und über jegliche Kritik erhaben, wie es in der Vergangenheit immer behauptet wurde. Zweitens, das aber gerade diese Fehler als neue, besorgniserregende Erkenntnisse von den Medien groß aufgebauschte zentrale Versatzstücke des medialen Klima-Hypes darstellen, die auch die Vorstellungswelt der Öffentlichkeit vom Klimawandel maßgeblich mit geprägt haben.

Es geht drittens darum, dass bei der Erstellung des letzten IPCC Berichtes nachweisbar vorsätzlich wissenschaftliche Erkenntnisse, die in eine weniger dramatisierende Richtung gewiesen haben, ignoriert oder gar verfälscht wurden. Also nicht nur Schlamperei sondern Vorsatz, was der Sache eine völlig neue Dimension verleiht und wirklich gezeigt hat, wie einige der führenden IPCC Wissenschaftler sich und ihre Aufgabe verstehen: Nicht als Wissenschaftler, die sich dem objektiven Erkenntnisfortschritt verpflichtet sehen, sondern als Wissenschaftler, die sich einer Mission verpflichtet sehen, der Mission nämlich, durch geschickte Datenauswahl, -analyse und –aufbereitung der Öffentlichkeit und den politischen Entscheidungsträgern das Bild eines vom Menschen verursachten katastrophalen Klimawandels zu vermitteln, und alles, was dagegen spricht zu ignorieren und zu unterdrücken. So wird ein Dogma geschaffen und verteidigt, aber keine wissenschaftliche Hypothese.

Und viertens geht es darum, wie der IPCC selbst mit den Enthüllungen seit November 2009 umgeht, was ein wenig günstiges Licht auf das Selbstverständnis des IPCC wirft. Die Marschrichtung war eine Mischung aus Selbstgefälligkeit, Ignoranz und Entrüstung etwa nach dem Motto: Wie könnt ihr es wagen uns anzuzweifeln, wir sind Gott, ich bin Moses, und die IPCC Berichte sind die Bibel. Erst als alles Leugnen nichts mehr nutzte und die Fakten nicht mehr wegzudiskutieren waren, kam ein gewisses Einlenken. All dies weckt wenig Vertrauen in die Arbeitsweise eines Gremiums, dessen Erkenntnisse seit 20 Jahren die Basis klimapolitischer Entscheidungen weltweit bilden.

Nur: Was jetzt an eine breite Öffentlichkeit gelangte, nämlich die Ausrichtung der Arbeit des IPCC am politisch gewollten, war Insidern eigentlich schon seit mindestens 15 Jahren klar, spätestens seit der Affäre um das Kapitel 8 im IPCC Bericht 1995, in dem man die Aussage „Die Summe der klimastatistischen Erkenntnisse deutet auf einen menschlichen Einfluss auf das Klima hin“ einfach post facto an das Kapitel 8 anflanschte, obwohl in diesem Kapitel nicht dargelegt wurde, dass es diese Hinweise gibt (The Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), The IPCC Black-Ops Controversy (Or is it Black-Oops?)).

Eine weitere Steigerung erfuhr das Drama im IPCC Bericht 2001 mit der so genannten Hockeystick Kurve, ein in der Klimawissenschaft wohl einmaliger Versuch von Klimageschichts-Revisionismus, mit dem man zwei in der Klimawissenschaft sehr gut nachgewiesene Klimaepochen der letzten 1000 Jahre, nämlich die Mittelalterliche Wärmeperiode (MWP) von ca. 1000 – 1200 n. Chr., in der die Temperatur zumindest in der Nordhemisphäre etwa ein halbes Grad höher war als in der Neuzeit, und die Kleine Eiszeit von ca. 1450 – 1850, in der die Temperatur bis zu einem halben Grad niedriger war, einfach ‚ausradierte’ und behauptete, in den vergangenen 1000 Jahren habe es bis 1850 keine Klimaschwankungen gegeben, aber seither gebe es einen steilen, noch nie da gewesenen Temperaturanstieg, der auf den Menschen zurückzuführen sei. Diese Behauptung wurde dann noch als Konsens von 2500 Klimawissenschaftlern in die Welt gesetzt. Wenig überraschend fuhren die Medien seinerzeit natürlich voll darauf ab. Trotzdem war es für den IPCC eine der schwärzesten Stunden, wie sich später zeigen sollte, denn es stellte die Wissenschaftlichkeit und Glaubwürdigkeit des IPCC vollends in Frage.

Für die mit der Situation vertrauten Beobachter absehbar kam es zu heftigen Reaktionen seitens der etablierten Paläoklimatologen, also derjenigen Klimaforscher, die das Klima vergangener Zeiten erforschen. Am besten auf den Punkt gebracht hat es der deutsche Klimaforscher Hans v. Storch, der in einem „Spiegel“ Interview im Oktober 2004 kurz und knapp erklärte: „Die (Hockey Stick) Kurve ist Quatsch“. Zahlreiche Untersuchungen kamen zu einem ähnlichen Ergebnis, formulierten es aber wohl etwas vornehmer ( The IPCC on a heterogeneous Medieval Warm Period).

Wer jedoch wirklich Anspruch darauf erheben kann, die Hockey Stick Kurve‚ demoliert’ und Klimawissenschaftsgeschichte geschrieben zu haben, sind zwei kanadische Wissenschaftler, die mit Klimaforschung im engeren Sinne eigentlich wenig zu tun hatten, Ross McKitrick und Steven McIntyre. McKitrick ist Wirtschaftswissenschaftler und McIntyre Geophysiker.

Was Wirtschaftswissenschaftler, Geophysiker und einige Klimaforscher gemeinsam haben, ist, dass sie manchmal große Datenmengen mit ausgefeilten und aufwendigen statistischen Methoden analysieren müssen. Obwohl der Gegenstand ihrer Untersuchung völlig anders ist, sind die statistischen Methoden, die sie anwenden, oft sehr ähnlich. Sowohl in der Geophysik als auch in der Wirtschaftswissenschaft sind eine hohe Qualitätskontrolle der angewandten Methoden und eine weitgehende Offenlegung der Daten und Analysemethoden in wissenschaftlichen Publikationen üblich, die McKitrick und McIntyre in den Veröffentlichungen über die Hockey Stick Kurve vermissten. Sie begannen Nachforschungen anzustellen und fanden heraus, dass sie gegen eine Mauer des Schweigens anrannten. McKitricks und McIntyre’s Saga des Versuchs, die Hockey Stick Kurve zu reproduzieren liest sich spannender als ein Thriller. Das kurz gefasste Ergebnis ist, dass sich diese Kurve weder durch die exakte Anwendung des statistischen Verfahrens der Original Autoren noch durch die Auswahl der zugrunde gelegten Daten reproduzieren ließ (Die Rekonstruktion erfolgte auf Grundlage sog. Proxy Daten, dh Stellvertreter Daten, auf die man zurückgreifen muss, um Klimaschwankungen der Vergangenheit zu beschreiben, als es noch keine Thermometer gab, nämlich seit etwa 1650. Weit verbreitet sind Baumringe, deren Dicke Hinweise auf die Temperatur während der Wachstumsperiode gibt; es gibt aber noch zahlreiche andere Methoden. Proxy Daten sind allerdings nicht so genau wie direkte Temperaturmessungen mit Thermometern). Die detaillierte Begründung, weswegen die Hockey Stick Kurve die tatsächlichen Klimaschwankungen während der letzten 1000 Jahre nicht korrekt wiedergibt, ist recht komplex.

Steven McIntyre entwickelte sich durch seine Analyse des Hockey Stick Skandals wahrscheinlich zum weltweit führenden Experten auf dem Gebiet der Baumringanalysen. Auf seiner Webseite Climateaudit.org veröffentlicht er regelmassig über interessante Fragen aus dem Bereich der Klimaforschung.

Der Hockey Stick Skandal legte gleich mehrere Probleme offen, denen sich die Klimaforschung in den IPCC Berichten gegenüber sieht.

Da ist zunächst einmal das Problem des sogenannten „Peer Review“ Prozesses, des wissenschaftlichen Begutachtungsverfahrens, dem sich Publikationen in wissenschaftlichen Fachzeitschriften vor Veröffentlichung unterwerfen müssen. In der Theorie sieht das so aus, dass ein Beitrag von Fachkollegen begutachtet wird, die ihn dann entweder akzeptieren oder aufgrund seiner fehlenden wissenschaftlichen Meriten ablehnen können. Häufig werden bestimmte Änderungen angeregt, und der Beitrag wird dann nach Korrektur zur Veröffentlichung angenommen. Dabei wird implizit davon ausgegangen, dass der oder die Fachkollegen über genügend Kompetenz und Ressourcen verfügen, um dieser Aufgabe gerecht zu werden. Das war wohl bei den Hockey Stick Veröffentlichungen nicht der Fall gewesen, denn keiner der Begutachter hat wahrscheinlich weder über die Daten noch über die statistischen Mittel verfügt, um die Ergebnisse in ihrer ganzen Tiefe nachzuvollziehen. Im Wesentlichen wurden die Ergebnisse in gutem Glauben akzeptiert. Das nächste Problem ist, dass die Zahl der kompetenten Fachleute auf diesem Gebiet so gering ist, dass die Wahrscheinlichkeit relativ hoch ist, einen Begutachter aus seinem engeren Kollegenkreis zu erwischen, der einem wohlwollend gesinnt ist und einem nicht unbedingt in die Parade fahren wird.

Wenn schließlich die verantwortlichen Autoren der entsprechenden Kapitel in den IPCC Berichten eben jene Forscher sind, die ihre Arbeiten durch einen Peer Review Prozess geschleusst haben, der eigentlich keiner war, dann wird dadurch nicht nur der Peer Review Prozess zur Farce, sondern auch der IPCC Prozess der Auswahl der wichtigsten und maßgeblichen Arbeiten auf einem Gebiet, wenn Autoren der Arbeiten und IPCC Autoren ein und dieselben sind, und sie ihren eigenen Arbeiten ein stärkeres Gewicht einräumen, als ihnen eigentlich zustehen sollte.

Genau das ist mit der Hockey Stick Kurve im IPCC Bericht 2001 passiert. Was als Konsens von 2500 Wissenschaftlern deklariert wurde, ist in Wirklichkeit der Selektionsprozess einer Handvoll von Wissenschaftlern. Die e-mails aus Climategate geben zusätzliche Hinweise, wie bei der Erstellung der Hockey Stich Kurve getrickst wurde.

Diese Vorgänge sind jedoch nicht nur auf die Hockey Stick Kurve begrenzt, denn es gibt auch aus anderen Bereichen Ähnliches zu berichten, so z. B. die Ausgrenzung von Experten ihrer jeweiligen Forschungsgebiete, die eine vom IPCC nicht gewünschte Auffassung vertreten, so z. B. Paul Reiter vom Pasteur Institut in Paris, führender Malaria Experte, der die landläufige Ansicht zurückweist, durch den Klimawandel würden sich tropische Krankheiten, wie Malaria, weiter ausbreiten (The malaria myths of climate change) oder Christopher Landsea, der die Auffassung zurückweist, Hurricane hätten als Folge der globalen Erwärmung an Stärke und Anzahl zugenommen (An Open Letter to the Community from Chris Landsea (Resignation Letter of Chris Landsea from IPCC)).

Was lernen wir daraus? Der IPCC Prozess ist, so wie er war, nicht gut und richtig, sondern weist systemische Fehler auf. Er war eben nicht ein objektiver Prozess der wissenschaftlichen Wahrheitsfindung in der Klimaforschung, sondern ein subjektiver Prozess der Meinungsvermittlung durch eine kleine Gruppe von Wissenschaftlern, die sich einer Mission verpflichtet sahen und wohl immer noch sehen, trotz der Publizität um Climategate.

Dies gilt vor allem für die sogenannten „Summary for Policy Makers (SPM)“, die Kurzfassungen, aus denen die Medien, Politiker und Umweltlobbyisten üblicherweise zitieren. Die eigentlichen Berichte umfassen mehrere Tausend Seiten und werden von einer Minderheit abgesehen kaum gelesen. Sie enthalten auf der anderen Seite aber oftmals recht gute Analysen, wobei der uneingeweihte Leser aber im Allgemeinen nicht weiß, welcher Teil politisch beeinflusst ist, und welcher Teil objektive Wissenschaft enthält.